Störche

"Land & Leute": Storchenturm in Lehrte

Storchenturm Lehrte

 

Anfang 2012 reifte in mir die Idee, in Lehrte einen Storchenmast aufzustellen. Denn in Lehrte stand bisher keine storchenfreundliche Masthilfe. Und ein Storch hatte bisher nie in Lehrte gebrütet.

 

Glücklicherweise fanden wir (NABU) gleich einen Ansprechpartner und Gönner für das ca. 11 m hohen Metallrohr. Unser Mitglied Dr. Lübben besorgte uns von seinem ehem. Arbeitgeber, der Firma BEB in Nienhagen, ein zweiteiliges Metallrohr mit Bodenhülse. Diese werden hauptsächlich zur Erkundung von Ölfeldern eingesetzt. Die Rohre wurden erst einmal auf einem Burgdorfer Firmengrundstück zwischengelagert.

 

Im Juni 2012 erteilte uns die Stadt Lehrte, seinerzeit noch Herr Kemmling, die Erlaubnis zum Aufstellen eines Turms. Nur der Standort wurde noch eingehend diskutiert. Dieser sollte am Rand der ehemaligen Lehrter Zuckerfabrikteiche sein. Probleme sahen wir jedoch an dem gut gefüllten Wassergraben sowie das Telefonkabel der Firma Telecom. Das Aufstellen des Turms war also nur mit einem sehr großen Autokran möglich. Die Kosten konnten wir dafür noch nicht abschätzen. Wassergraben und Telefonleitungen störten massiv.

 

Das Abschleppunternehmen  Flörke, ganz in der Nähe, bot uns spontan seine Hilfe an.

 

Die finanziellen Sponsoren waren die niedersächsische Bingo Umweltstiftung mit Euro 2.000.- sowie die Cigarettenfabriken Reemtsma in Langenhagen mit Euro 1.000,-.

 

Als Nestunterlage brauchten wir neben einem Weidenkorb natürlich noch ein Metallrad hoch oben auf der Spitze. Diesen Metallring formte uns ebenfalls noch die Firma BEB. Einen Weidenkorb mit 1,20 m Durchmesser hatten wir noch in unserem Bestand.

 

Und nun konnte es losgehen. Das Autohaus Sellmann in Lehrte übernahm den Transport der zwei Rohre per Tieflader von Burgdorf nach Lehrte. Auch hier spielte die sehr gute Verbindung der Lehrter Kaufleute für uns eine wichtige Rolle. Ein Statiker errechnete dafür das Betonfundament.

 

Vorher musste jedoch noch ein großes Loch von 2 x 2 m und 1 m Tiefe ins Erdreich gegraben werden. Dieses Fundament grub ein großer Bagger mit langem Greifarm, ebenfalls von der Firma Sellmann am 8. August 2012 ins Erdreich. Kurz nach der Fertigstellung war auch schon die Firma Holcim mit dem Betonmischer vor Ort. Es wurden 3 qm Beton in das Loch, welches noch mit Moniereisen verstärkt wurde, gekippt.

 

Und endlich, nachdem der Beton ausgehärtet war, kamen die zwei Metallrohre per Tieflader über den schmalen Asphaltweg gerollt, zeitgleich mit dem  großen Autokran der Firma Flörke. 

 

Binnen einer Stunde wurde das Metallgestänge zusammengeschraubt und per Kran präzise über die Telefonleitung und den Wassergraben in die vorgefertigten Metallstifte gesetzt und mit starken Muttern verschraubt. Etliche Schrauben sicherten so die Standfestigkeit des Turms. Denn dieser wog nun fast 3 Tonnen und muss allen Stürmen trotzen.  Wir als Helfer kamen über starke Bretter trocken über dem Wasser führenden Graben.

 

Vor dem Aufstellen wurde noch der große Weidenkorb mit 1,20 m Durchmesser mit Draht auf das Metallrad gebunden. Zusätzlich wurde der Korb mit Pferdemist ausgepolstert und mit weißer Farbe bekleckert. Das soll den vorüberfliegenden Störchen signalisieren: Das Nest ist attraktiv.

 

Nach einer weiteren Stunde stand der Storchenmast fest und sicher im Fundament. Kaffee und belegte Brötchen rundeten die positiven Gespräche danach ab. Uns allen fiel ein Stein vom Herzen. Es war geschafft. Nun mussten nur noch die Störche kommen!

 

Aber die ließen sich viel Zeit. In den nachfolgenden Jahren stand ab und an ein Storch auf dem Nest, blieb aber nicht lange. Wind und Wetter zerfledderten den fest verdrahteten Weidenkorb. Und irgendwann mussten wir diesen wieder ersetzen.

 

Und alles ging nun wieder von vorne los.

 

Im November 2021 besorgte uns die Firma Hellmich-Recycling in unmittelbarer Nachbarschaft nun einen ausfahrbaren Hubwagen. Würde dieser reichen? Voller Hoffnung fing der Hellmich-Mitarbeiter an, diesen standsicher zu machen und den Hub-Arm mit Sicherheitskorb auszufahren. Entsetzt stellten wir dann alle fest: Es fehlten 2 m bis zum Nest.

 

Frustriert und enttäuscht musste dieser Versuch am 26. November 2021 abgebrochen werden. Was nun? Wie weiter? Und wieder halfen uns die guten Kontakte der Firmen untereinander hier weiter.

Firma Flörke war wieder mit seinem großen Autokran bereit zu helfen. Am 20. Dezember 2021, an einem kalten Wintertag, war es dann wieder so weit. In einem Sicherheitskorb mit einem neuen Weidenkorb in der Hand wurde nun unser Vorstandsmitglied und Naturschutzbeauftragter der Stadt Burgdorf Dieter Kleinschmidt zum Metallgestell gehoben. Um ehrlich zu sein: Mir war es da oben zu kalt!

 

Präzise und schnell wurde nun der neue Weidenkorb auf den alten gelegt, mit Draht am Gitter befestigt und in luftiger Höhe wieder etwas Pferdemist in den Korb gestreut. Die Störche sollten es wieder bequem haben.

Und in einer Stunde war auch diese Arbeit wieder erledigt.

 

Nun war die erneute Hoffnung auf ein Storchenpaar groß.

 

Zweieinhalb Jahre später am 28. April 2024 dann die freudige Sichtung: Der Storch ist da. Und die Störchin folgte vier Tage später. Mitte Mai saß sie fest auf den Eiern und brütete.

 

Bleibt zu hoffen, dass das Nest nun jährlich neu bezogen wird. Da der Weißstorchenbestand in der Region Hannover auch dieses Jahr wieder sehr hoch ist, sind wir für die nächsten Jahre sehr zuversichtlich.

 

Das ist der erste Storchennachweis in Lehrte seit den 60er Jahren.  Ein toller Erfolg!

 

Ausdrücklich möchte ich mich bei den Firmen

Autohaus Sellmann, Abschlepp-Unternehmen Flörke, Herrn Dr. Lübben / Firma BEB, Firma Hellmich Recycling GmbH sowie der Kulturland-Stiftung als Eigentümerin der Fläche herzlich bedanken.

 

Eine Rechnung haben wir bis heute nicht erhalten!

 

Bernd Rose

NABU Burgdorf-Lehrte-Uetze e.V.

 

Vorstandsmitglied                                                                                                          Juni 2024

Störche in Lehrte

Das neue Storchennest an den Klärteichen in Lehrte ist angenommen worden. Bernd Rose vom NABU Burgdorf-Lehrte-Uetze vermutet, dass die Brut in diesem Frühjahr wohl die erste Brut seit Jahrzehnten in Lehrte ist. Das Aufstellen des Nestes und das Warten haben sich also gelohnt. Ein schöner Erfolg.

 

Fotos: Dr. Reinhard Löhmer (Störche) und Bernd Rose

Text: Detlev Rossa

Storchenturm Schillerslage im April 2021

Storchenturm in Lehrte

Im zweiten Anlauf gelingt der Aufbau im Dezember 2021, gesponsert von der Firma Flörke.